#zuhören: Renaissance des Podcast

Er war schon totgesagt: der Podcast. Aber: Einfach mal zuhören hat wieder Fans.

Ein schönes Beispiel ist die UNERHÖRT-Kampagne der Diakonie. Sie will wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Hilfsorganisation zuhört, Lösungen anbietet und eintritt für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Kampagnenreferentin Iris Möker schrieb mir dazu: „Unsere Interviewpartner:innen wollen in erster Linie gehört und mit ihren Themen ernst genommen werden.“ Um eine grundlegende Veränderung in der Gesellschaft zu bestimmten Themen zu erreichen, braucht es einen langen Atem und stete Öffentlichkeit. Dazu soll die Kampagne, die aus Audios, Videos, Plakaten und Diskussionsforen besteht, beitragen.

Jede Lebensgeschichte hat ein Recht darauf, gehört zu werden – auch wenn sie Widerspruch herausfordert. Die meisten Interviewpartner:innen findet die Diakonie nach eigenen Angaben über diakonische Einrichtungen und Verbände. „Gemeinsam mit den Fachleuten, die vor Ort arbeiten, überlegen wir, wen wir ansprechen können“, erklärt Iris Möker.

Zu hören, wie ein Paketbote seinen Alltag schildert, sein Gefühl, das letzte Licht zu sein, auf dem viele rumtrampeln, das erfordert ein dickes Fell. Sich ganz auf die Stimme von „Daniel“ zu konzentrieren, auf die Wut, die mitschwingt, die klaren Worte, die er findet, das ist eindrucksvoll.

Das gilt auch für Mustafa Yilmaz, einen jungen Mann mit türkischen Wurzeln, der sich Sorgen macht wegen des Rechtsrucks in vielen Ländern. Er sagt, Heimat ist in beiden Ländern ein Thema und nur darüber, dass man sich begegnet und über Ängste spricht, Verständnis schafft. Dabei sind die Positionen gar nicht so verschieden, wenn ein deutscher Vater oder ein türkischer über die Ängste um ihre Töchter sprechen.

Mir gefällt das Spiel mit der Doppeldeutigkeit von #unerhört. Einerseits schwingt da ein erboster Unterton mit, der verurteilt. Andererseits der Hinweis, dass Menschen nicht gehört werden.

Um den podcast zu hören, muss man sich bei sound cloud registrieren, was nicht so toll ist.

©Diakonie/ Kathrin Harms.

Die Kampagne fußt aber nicht nur auf podcast. Es gibt auch Videos und Texte. Mir gefallen aber die Hörstücke, weil in den Stimmen so unendlich viel mitschwingt. Wirklich wert zuzuhören.

Veröffentlicht von doroter

Hi, ich bin als digital immigrant Internet-Entdeckerin. Mich erstaunen die Möglichkeiten der neuen Medien immer wieder. Ich übersetze gern die reale Welt "in digital". My Threetop wendet sich an andere digital immigrants, die nach Brücken suchen zwischen analog und digital.

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